Leben nach dem Sommer

Wenn Rosen und Phlox längst vergessen sind, fängt die Zeit der Gräser an. Im Herbst und Winter sorgen sie für aufregende Effekte.

Ganz so trist ist der Winter nicht. Auch im Staudenbeet können jetzt noch Strukturen für lebendige Gartenbilder sorgen. Für eine solche Ausdehnung der Gartenfreuden eignen sich einige Gräser besonders. Deshalb lohnt es sich, diese filigranen Gartengestalten auch dann zu betrachten, wenn der Frost ihrem oberirdischen Leben ein Ende gesetzt hat. Einigen Arten kann auch Schnee nichts anhaben. Aber nicht alle Gräser sind im Winter schön. Einige fallen schon bei wenigen Minusgraden und anhaltenden Niederschlägen in sich zusammen.

 

Entscheidungshilfe ist die Herkunft der Gräser. Schon deshalb lohnt sich bei etwaigen Unsicherheiten ein Blick in ein gutes Gräserbuch. Winterstabil und spektakulär sind meistens solche Arten, die aus wärmeren Klimaregionen stammen. Man erkennt diese Warmsaison-gräser im Garten schon im Frühjahr am späten Austrieb. Sie beginnen erst dann mit dem Wachstum, wenn die Tage wärmer werden. Allen bekannt sind zum Beispiel das spät austreibende Lampenputzer- oder Federborstengras (Pennisetum alopecuroides) und das riesige Chinaschilf (Miscanthus sinensis), die oft erst im Mai grüne Halme zeigen. Die Gräser aus kälteren Regionen hingegen wachsen fast das ganze Jahr über und nur einige machen im Sommer eine Ruheperiode durch. Zu ihnen gehören die Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa) und auch immergrüne Arten wie Blau-Schwingel (Festuca glauca) oder Bärenfellgras (Festuca gautieri). Natürlich zählen auch die Rasengräser dazu, und jeder Gartenbesitzer weiß, dass sie bei mildem Wetter selbst im Winter zentimeterweise zulegen können. Wichtig ist bei aller Strukturfestigkeit auch der Standort. Sonnenliebende Gräser sind oft mit mageren Böden sehr zufrieden. Werden sie auf nährstoffreichen Böden gepflanzt, entwickelt sich oft zu viel Blattmasse – das geht auf Kosten der Standfestigkeit. Chinaschilf bleibt auf sandigen Böden viel stabiler als auf lehmigen und feuchteren Böden.

Natürlich bleibt die Schere den Gräsern bis zum Frühjahr fern ebenso jenen Stauden, die sich als Begleiter ändern.

 

Pflanzen und vermehren können Sie winterstabile Gräser am besten im Frühjahr vor dem Austrieb, auch in den Wochen danach sind sie nicht zimperlich. Pflanzen, die sehr kompakte und feste Horste bilden, wie zum Beispiel das Lampenputzergras, sollten ausreichend Wurzeln haben und bereits leicht mit dem Trieb begonnen haben. Dann wachsen sie besser an und faulen bei nasser Witterung nicht so leicht. Die Teilung erfolgt entweder durch Abstechen – sehr einfach bei Chinaschilf und Rutenhirse (Panicum virgatum) – oder bei Arten wie Pfeifengras (Molinia) und Reitgras (Calamagrostis) durch Aufnehmen und Zerteilen des gesamten Wurzelballens. Die Teilstücke werden an einem sonnigen Platz ohne einengende Nachbarschaft wieder eingepflanzt.

 

Wichtig! Fragen Sie Ihren Staudengärtner nach winterstabilen Gräsern, bevor Sie pflanzen!